Die Blutegeltherapie

Seitdem Menschen einander heilen, spielen Blutegel eine fast immer bedeutende Rolle. Es ist sogar anzunehmen, dass auch Tiere von den heilenden Wirkungen der Egel profitieren. Das Wort Egel stammt übrigens von dem griechischen Wort echis =kleine Schlange. Manche vermuten so-gar, dass die Schlange des Aeskulapstabes einen Egel darstellt. Er ist jedenfalls schon lange für seine Heilkräfte berühmt. Die Blutegeltherapie gehört zu den „ausleitenden Verfahren“, seine Ursprünge reichen über 5000 Jahre zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte diese Behandlungsform ihren Höhepunkt, was beinahe zur Ausrottung der Blutegel in Europa führte. Daher wurde damals mit der Zucht von Blutegeln begonnen. Die medizinisch angewendeten Blutegel werden von Zuchtfarmen geliefert und nur einmal verwendet. Dies ist erforderlich, damit keine Krankheiten durch die Blutegel übertragen werden können. Früher wurden Blutegel angesetzt, um schädliche Säfte, die sich gemäß der damaligen Vorstellung an bestimmten Körperstellen angesammelt hatten, zu entfernen (auszuleiten). Für die Existenz solcher Säfte gibt es keine wissenschaftliche Beweise, wohl aber für die vom Blutegel abgegebenen Wirkstoffe sowie die lokalen Effekte, die aus dem Saugvorgang resultieren.

Der Blutverlust beträgt durch Aufnahme des Egels selbst und die anschließende Nachblutung bis zu 50 ml pro Tier. Neben dem Ausleiten  von gestautem Blut gibt der Blutegel noch verschiedene Wirkstoffe mit dem Speichel ab. Beides zusammen führt zum therapeutisch gewünschten Effekt. Die Wirkung der Blutegelbehandlung sind Verbesserung der Fließeigenschaft des Blutes, lokale Entstauung, Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Aufgrund dieser Wirkungen werden Blutegel bevorzugt angesetzt bei Krampfadern, postthrombotischem Syndrom, Arthrosen, Reizergüssen von Gelenken, lokalen Füllezuständen, von der Wirbelsäule ausgehenden Schmerzen, bei akuten Gichtanfällen, Bluthochdruck, Migräne und Tinnitus. Es gibt aber auch Gegenanzeigen für eine Blutegelbehandlung,  z. B. bei der Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, bei Blutungsneigung Zuckerkrankheit, arteriellen Durchblutungsstörungen und anderen Krankheiten.

Bei einer Behandlung werden in der Regel 2 bis 5 Blutegel angesetzt. Der Biß ist als Stich oder Zwicken zu spüren. Die Egel saugen sich fest und fallen nach 30 Minuten bis 2 Stunden von selbst ab, wenn sie satt sind. Während des Saugvorganges gibt der Blutegel verschiedene Substanzen in die Bißwunde ab, die zur therapeutisch erwünschten Wirkung führen. Wie bei allen Verletzungen der Haut kann es in seltenen Fällen zu Infektionen kommen. Noch seltener treten allergische Reaktionen durch die abgegebenen Substanzen aus dem Speichel der Blutegel auf. Eine winzige Hautnarbe kann nach der Behandlung für mehrere Wochen zurückbleiben.

Blutegel haben zu unrecht einen so schlechten Ruf. Sie leben nur in reinen Gewässern und sind somit ein Indikator für ein intaktes Ökosystem. Ebenso reinigen sie die von ihnen gesetzte, sternförmige Wunde und ihre Speicheldrüsen sind frei von Krankheitskeimen. Blutegel sind auch ausgesprochen empfindliche Tiere, so beißen sie z. B. nicht, wenn Sie Creme, Seife, Deo oder Parfum aufgetragen haben. Daher sollten Sie jede Form von Kosmetika an den zu behandelnden Stellen mindestens 24 Stunden nicht angewendet haben.